Geschichte des OV

 

76 Jahre Amateurfunk in Hanau

 

Als es im Jahr 1888 dem deutschen Physiker Heinrich Hertz zum ersten Mal gelingt, elektromagnetische Schwingungen zu erzeugen und in einiger Entfernung wieder zu empfangen, hat er vielleicht nur eine vorsichtige Ahnung davon, was er mit dieser Entdeckung lostreten würde. Keine 10 Jahre später veröffentlicht der St. Petersburger Physiker Alexander Stepanowitsch Popow einen Artikel über ein “Gerät zur Aufspürung und Registrierung elektrischer Schwingungen”. Über eine Entfernung von 250 m kann er damit die drahtlose Übertragung von Signalen demonstrieren. Noch im gleichen Jahr, es ist 1896, baut Guglielmo Marconi das Gerät nach und läßt es patentieren. Dies ist die Geburtsstunde der drahtlosen Telegrafie und letztendlich auch des Amateurfunks. Mit der Erfindung der Röhre als Verstärker im Jahre 1923 konnte sich die drahtlose Funktechnik in der Folge rasend schnell entwickeln.

Zunächst wurden nur die Frequenzen unterhalb von 1,5 MHz genutzt, mit vielen hundert Kilowatt Sendeleistung und über Entfernungen von einigen hundert Kilometern. Nur die Bodenwelle war damals bekannt und wurde genutzt, erst später entdeckte man, daß Kurzwellen von der Ionosphäre reflektiert werden und man begann, dieses Phänomen systematisch zu nutzen. Europaweite Funkverbindungen mit deutlich niedrigeren Sendeleistungen waren nun möglich.

Die Entwicklung rief viele kommerzielle Kurzwellenstationen auf den Plan, wollte doch jeder an der neuen Technik partizipieren und Geld verdienen. Es drohte ein Frequenz – Chaos. Deshalb traten Interessierte aus aller Welt im Jahre 1927 zur Internationalen Rundfunkkonferenz in Washington zusammen, in deren Vorfeld sich 1925 die IARU, die Internationale Amateur – Radio – Union gegründet hatte, um die Interessen der Funkamateure dort zu vertreten. Ergebnis dieser Konferenz war der erste Internationale Fernmeldevertrag, das sog. Washingtoner Abkommen, mit dem die Sendefrequenzen der Kurzwellen – Radiostationen festgelegt und dem Amateurfunkdienst einige Amateurbänder zugeteilt wurden. Die kurzen Wellen im Bereich von 100 bis 10 Meter wurden unter den staatlichen und kommerziellen Funkdiensten aufgeteilt, dem Amateurfunkdienst wurden mehrere Frequenzbereiche auf dem 80-, 40-, 20-, 10- und 5 – Meter – Band überlassen.

In den Folgejahren wurde das Washingtoner Abkommen weiter fortgeschrieben. Inzwischen regelt es auch heute noch – allerdings unter der Bezeichnung “Internationaler Fernmeldevertrag” – den Internationalen Funkverkehr und den Amateurfunkdienst.

In Deutschland erhielten anerkannte Funkvereine ab November 1924 Versuchssender – Genehmigungen. Clublizenzen konnten zu der Zeit nur von wenigen Funkamateuren genutzt werden und Individuallizenzen wurden nicht vergeben. So blühte ein regelrechter Piratenbetrieb auf. Diese Situation änderte sich erst ab August 1933, als von der Deutschen Reichspost Sendegenehmigungen für Funkfreunde ausgegeben wurden, wodurch die Zahl der Amateurfunkstellen in Deutschland bis 1939 auf 529 anstieg. Bedingung für den Erhalt einer Genehmigung war u. a. die Mitgliedschaft im Deutschen Amateur – Sende- und Empfangsdienst, dem DASD. Von dieser Entwicklung profitierten auch die Hanauer Funkamateure. Sie schlossen sich Anfang 1937 zu einer Ortsgruppe Hanau im DASD zusammen. Ortsgruppenleiter war damals August Breusch.

Seit Kriegsbeginn 1939 wurden nur Kriegsfunksendegenehmigungen ausgegeben, bis Kriegsende 1945 gab es davon etwa 100. Nach dem Krieg blieb der Amateurfunk unter der Besatzungsmacht verboten, was den Pirateriebetrieb wieder förderte. Weder die Post noch die Militärregierung konnten dagegen wirklich etwas unternehmen. Die Besatzungsmächte vertraten die Ansicht, daß sich nur durch eine Lizenzerteilung das Amateurfunkwesen kontrollieren lassen könnte. Amerikanische und britische Offiziere, unter denen sich viele Funkamateure befanden, setzten sich mit deutschen Beamten zusammen und entwarfen eines der liberalsten Amateurfunkgesetze der Welt. Als im Frühjahr 1948 das Gesetz verabschiedungsreif war, ergaben sich Verzögerungen bei den deutschen Behörden. Die Gründung der Bundesrepublik rückte immer näher, und es war abzusehen, daß man dann andere Probleme haben würde als ausgerechnet ein Amateurfunkgesetz. So starteten die Funkamateure damals die “Backsteinaktion”. Alle Funkamateure wurden aufgefordert, am 15. Januar 1949 an den Vorsitzenden des Wirtschaftsrates einen Backstein zur Untermauerung des Amateurfunkgesetzes zu schicken. Die Post mußte Extra- LKW einsetzen, aber die Aktion hatte Erfolg: am 23. März 1949, also zwei Monate vor Gründung der Bundesrepublik, trat das Amateurfunkgesetz in Kraft.

Die Funkamateure in Hanau fanden sich ebenfalls nach Kriegsende sehr bald wieder zusammen und organisierten sich im sog. SAC, dem “Samstag – Abend – Club”, in dem sie sich mit selbst verliehenen Rufzeichen samstags abends auf 80 m trafen. 1947 dann konstituieren sich verschiedene Landesverbände, in Hessen der HRC, der Hessische Radio Club. Im Rahmen dieser Verbände wurden dann einzelne Ortsverbände gegründet. Bereits in einem Rundschreiben des “Deutschen Amateur Radio Clubs US – Zone” vom Februar 1947 wird der Ortsverband Hanau mit Hans Neumann (später DE 8274) als Vorsitzenden geführt. Aus der Einladungskarte zur ersten Versammlung geht hervor, daß der HRC- Ortsverband Hanau am Sonntag, den 1. Juni 1947 vormittags um 10.00 Uhr im Restaurant “Hopfengarten” gegründet wurde.

Diese Situation hatte nur wenige Jahre Bestand: Am 8. Dezember 1950 gründeten die Funkamateure in Bad Homburg den DARC, die einzelnen Amateurfunk – Landesverbände wurden mitsamt ihrer Struktur in Ortsverbänden als Distrikte in den DARC überführt. Leider gibt es eine Informationslücke über die Zeit von 1948 bis 1950. Anfang 1951 war Hans Biegel OVV, danach Peter Meles, DL9RG, (1952 – 1954), Dr. Kurt Leipold, DL3CZ, (1954 – 1955), Heinz Liebe, DJ2QX, (1955 – 1962) – er war seit September 1962 Distriktsvorsitzender, Franz Kolb, DJ3PX, (1962 -1967), Fred Goedel, DK2HGX, (1967 – 1969), Lothar Wenninger, DJ5HR, (1969 – 1971), Wolfgang Klüh, DJ9QH, (1971 – 1972), Norbert Schölkens, DK6FA, (1972 – 1981), Joachim Zinn, DF3FF, (1981 – 1983), Heinz Steinfurt, DJ9HS, (1983 – 1985), Joachim Zinn, DF3FF, (1985 – 1991), Joachim Radloff, DL6FBE (1991 – 2003), Gabriele Radloff (2003 – 2009). Seit 2009 führt Mathias Jahnel, DL8ZAJ die Geschicke des OV.

Ständiges Thema im OV – Leben ist die Frage des OV – Heims. Erst 1965 konnte der OV in zwei Räume im Schloss Philippsruhe einziehen, die er jedoch nach einem Großbrand im Schloss 1991 zurückgeben mußte. Es folgte die Anmietung von Räumen in einem Vereinsgebäude in der damaligen Hauptbahnhofstraße, doch dieser Mietvertrag wurde schon nach gut drei Jahren wieder gekündigt, da das Gebäude abgerissen werden sollte. Nach einer längeren Durststrecke gelang es dem damaligen OVV Joachim, DL6FBE, in der Christuskirchengemeinde eine Bleibe zu finden.

So wie der Amateurfunk hat auch das Profil des OV in den letzten Jahren eine Wandlung erfahren. 1952 und damit schon sehr früh experimentierten Mitglieder des OV im UKW-Bereich. Im DL – QTC vom November 1952 berichtet Kurt Leipold, DL3CZ, von einer Verbindung zwischen ihm und Hans Sell, DL3OD, in Frankfurt. Möglicherweise war dies die erste Dezimeterverbindung überhaupt zwischen zwei deutschen Amateurfunkstationen.

In den sechziger und siebziger Jahren fanden viele überregionale Veranstaltungen im OV statt wie Peilwettbewerbe, Mobilwettbewerbe, Distriktsversammlungen mit anschließendem HAM-Fest und Ähnliches. Zum 675 jährigen Jubiläum der Stadt Hanau gab der OV das Hanauer Jubiläums – Diplom heraus.

2012 konnte der OV Hanau sein 75 jähriges Bestehen feiern und die Clubstation DL0HO vertrat in der Zeit vom Juli bis September den Sonder DOK 75HU.

Heute finden im OV diverse Ausflüge zu interessanten Zielen statt, darüber hinaus veranstaltet der OV zweimal jährlich eine kleine Fuchsjagd, manchmal auch gerne als “Spaßfuchsjagd”. Regelmäßig zu Pfingsten treffen sich die OV – Mitglieder auf der OV – Wiese zu ihrem Fieldday. Vom OV Hanau wird die Relaisstelle DB0CT auf 439,400 MHz betrieben, zusätzlich werden für direkte Verbindungen die Frequenzen 145,350 und 430,350 MHz als Ansprechfrequenzen genutzt.

Zu ihren OV-Abenden treffen sich die Mitglieder von F09 immer am 1. Freitag im Monat, zu den Technischen Abenden immer am 2. Mittwoch nach dem OV – Abend in ihrem OV – Heim im Gemeindehaus der Christuskirche in Hanau an der Ehrensäule.